"Zum Sehen geboren, …
… zum Schauen bestellt, dem Turme geschworen, gefällt mir die Welt", so weiß es auch der Türmer Lynkeus in Goethes Faust II zu berichten.
Ein Türmer (auch Turmwart oder -wächter) hatte im Mittelalter die Aufgabe, die Umgebung vom höchsten Turm der Stadt aus zu beobachten und die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen. Er wurde hierfür entweder auf einem Kirchturm oder aber auf einem Turm der Stadtbefestigung stationiert. Dabei war es durchaus üblich, dass der Türmer im Turm wohnte. Eine weitere Aufgabe des Türmers konnte auch darin bestehen, zu einem bestimmten Anlass eine Glocke zu schlagen.
Als eine der wenigen Kirchen gibt es auf dem Hauptturm des Ulmer Münsters auch heute noch einen (bzw. mehrere Türmer). Zwar wohnt er heute nicht mehr in der Turmstube und nimmt auch sonst andere Aufgaben wahr, traditionell läutet er aber auch heute noch am Schwörmontag die Schwörglocke.