Was bedeutet eigentlich das Wort…
Abt: Die Bezeichnung Abt (abgeleitet vom lateinischen Wort abbas = Vater) war ursprünglich ein Ehrenname und ist seit dem 5.-6. Jahrhundert dem Vorsteher eines Klosters vorbehalten.
Altar: Der Altar (abgeleitet vom lateinischen Wort altare = Opfertischaufsatz) gilt als Platz der Verehrung für eine oder mehrere Gottheiten. In diesem Zusammenhang dient der Altar zur Darbringung von Opfergaben, wobei auch schon die Errichtung des Altars an sich und seine unter Umständen reiche Verzierung bereits als ein Akt der Verehrung zu betrachten ist.
Anker: Als Anker bezeichnet man einen Holzbalken oder eine Eisenstange, die Zugkräfte aufnimmt. Es kann sich hierbei auch um einen ringförmigen Anker handeln, der dann als Ringanker bezeichnet wird.
Archiv: Ein Archiv (abgeleitet vom lateinischen Wort archivum = Regierungs- bzw. Amtsgebäude) ist eine Einrichtung, in der Archivalien erfasst, erschlossen, erhalten, ausgewertet und zugänglich gemacht werden. In der heutigen Zeit versteht man unter diesem Begriff auch elektronische Archive allgemein bzw. die elektronische Archivierung im Besonderen.
Archivalien: Als Archivalien bezeichnet man alle in einem Archiv aufbewahrten Unterlagen von bleibendem Wert. Je nach Archiv kann es sich dabei um Schriftgut (z. B. Urkunden, Akten, Amtsbücher etc.), audiovisuelle Quellen (z. B. Fotos, Karten, Pläne, Tonaufnahmen etc.) und in heutiger Zeit auch um digitale Dokumente handeln. Im Gegensatz zu gedruckten Quellen stellen Archivalien Originale dar, die in der Regel nur einmal vorhanden sind.
Attribut: Ein Attribut (abgeleitet vom lateinischen Wort attributum = beigefügt) ist ein typischer Gegenstand, der einer Figur beigegeben ist und anhand dessen diese sofort identifiziert werden kann. In der christlichen Kunst besitzt jeder Heilige ein persönliches Attribut, das meist auf eine Begebenheit aus seinem Leben Bezug nimmt.
Basilika: Eine Basilika ist ein nach Osten orientierter Kirchenbau mit mindestens drei Kirchenschiffen, wobei das Mittelschiff gegenüber den Seitenschiffen überhöht ist und mittels Fenstern im Obergaden belichtet wird. Beim Ulmer Münster handelt es sich um eine fünfschiffige Basilika.
Bauhütte: Bei einer Bauhütte handelt es sich um eine Art Werkstattverband, in dem sich mehrere an einem größeren Bauvorhaben tätige Bauleute zusammengeschlossen haben. In mittelalterlicher Zeit existierten für Bauhütten eigene Hüttenordnungen. Daneben wird aber auch das Gebäude, in dem die Handwerker arbeiten, als Bauhütte bezeichnet.
Benediktregel: Die Benediktregel (lat. Regula benedicti) ist eine Mönchsregel, die im 6. Jh. durch Benedikt von Nursia erstellt wurde. Sie gilt seit mittelalterlicher Zeit als Grundlage des Benediktinerordens (lat. Ordo sancti benedicti). Der heilige Otmar am Ulmer Münster war ein Anhänger der benediktinischen Mönchsregel.
Blattwerk: Das für die Gotik typische sog. Blatt- oder Laubwerk als Gestaltungselement findet sich besonders häufig an Turmspitzen und Giebeln von Kirchengebäuden. Formal zählen hierzu Fialen, Wimperge, Kreuzblumen und Krabben. Während zu Beginn der Gotik noch strenge Blattwerkformen üblich sind, entwickeln sich diese gegen Ende der Gotik zu wuchernde Blattformen, wobei hauptsächlich heimische Blattmotive verwendet werden.
Brüstung: Bei einer Brüstung handelt es sich um eine waagrechte verlaufende, brusthohe Sicherung von Fenstern, Terrassen u. ä. Am Ulmer Münster finden sich Brüstungen beispielsweise …
Chor: Als Chor bezeichnet man in einer Kirche den meistens im Osten gelegenen Bauteil, der gegenüber dem Langhaus leicht erhöht sein und gerade, quadratisch oder – wie beim Ulmer Münster – vieleckig abschließen kann. Der Chor ist üblicherweise dem Chorgesang bzw. dem Altardienst von Geistlichen und Mönchen vorbehalten und wird deswegen auch als Presbyterium (lateinische Bezeichnung für Betraum) oder Sanktuarium (lateinische Bezeichnung für Allerheiligstes) bezeichnet.
Chorgestühl: Als Chorgestühl bezeichnet man die Sitzreihen, die an den an den längsverlaufenden Wänden des Chores aufgestellt sind. Chorgestühle sind üblicherweise aus Holz und insbesondere in mittelalterlicher Zeit oft mit figürlichen und ornamentalen Schnitzereien reich verziert. Das von Jörg Syrlin d. Ä. geschaffene Chorgestühl im Ulmer Münster ist eines der wenigen erhalten Exemplare aus mittelalterlicher Zeit.
Denkmalbuch: Als eines der wenigen deutschen Bundesländer wird in Baden-Württemberg neben den Denkmallisten ein gesondertes Denkmalbuch geführt, in das nach dem Denkmalschutzgesetz alle Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung eingetragen werden.
Denkmalschutz: Aufgabe des Denkmalschutzes ist es, für den dauerhaften und unverfälschten Erhalt von Kulturdenkmalen Sorge zu tragen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen hierfür sind durch das Denkmalschutzgesetz geregelt und werden durch Anordnungen, Verfügungen, Genehmigungen und Auflagen umgesetzt.
Denkmalpflege: Als Denkmalpflege – im Gegensatz zum Denkmalschutz – bezeichnet man alle zur Instandsetzung und Erhaltung von Kulturdenkmalen notwendigen Maßnahmen. In Baden-Württemberg gehört hierzu nicht nur die Erfassung von Kulturdenkmalen in Denkmalbüchern und –listen seitens der Inventarisation, sondern auch die fachliche Begleitung von Maßnahmen an Kulturdenkmalen seitens der praktischen Denkmalpflege.
Denkmalschutzgesetz: Bedingt durch die Kulturhoheit der Länder ist Denkmalschutz in Deutschland Angelegenheit der jeweiligen Bundesländer, weswegen jedes Bundesland ein eigenes Denkmalschutzgesetz besitzt. In Baden-Württemberg bildet das Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale die rechtliche Grundlage für den Denkmalschutz.
Dom: Ein Dom (abgeleitet vom lateinischen Wort domus dei = Haus Gottes) ist meistens eine Hauptkirche am Sitz eines Bischofs. Sie wird in Frankreich, Spanien und England auch Kathedrale genannt. Nicht alle Dome sind Bischofskirchen, sondern oftmals handelt es sich auch um Kirchengebäude, die aufgrund ihrer Größe als Dom oder Münster bezeichnet werden.
Einsiedelei: Als Einsiedelei oder Eremitage (aus dem Französischen ermitage = Einsiedelei) bezeichnet man einen Ort der inneren Einkehr. Eremiten können Geistliche, Mönche oder religiöse Laien sein, die an einsam gelegenen Orten nach innerem Einklang mit Gott und der Natur streben.
Empore: Eine Empore ist eine über Freistützen befindliche Galerie. Sie befindet sich oft über den Seitenschiffen oder – so auch im Ulmer Münster – im Bereich des Westwerks als Orgelempore.
Fassade: Bei einer Fassade handelt es sich um die Außenseite(n) eines Gebäudes. Die Hauptansichtsseite, auf der sich der Haupteingang befindet, wird auch als Hauptfassade bezeichnet. Die Hauptfassade von Kirchengebäuden befindet sich fast immer auf der Westseite und ist deswegen meistens sehr aufwendig gestaltet, so auch beim Ulmer Münster.
Fiale: Fialen sind schlanke Türmchen, die nach oben hin spitz auslaufen und als Bekrönungen von Strebepfeilern und Wimpergen verwendet werden. Ihre meist vier- oder achteckigen unteren Bereiche können mit vorgeblendetem Maßwerk verziert sein, nach oben hin schließen sie über jeder Seite mit einem Giebel ab. Darüber findet sich ein pyramidenförmiger Helm, der mit Krabben besetzt sein kann und in einer Kreuzblume endet.
Fundament: Als Fundament bezeichnet man die Grundmauern als Unterbau eines Gebäudes im Erdreich.
Galerie: Galerien sind lange, gedeckte, seitlich offene Gänge, die sich als Laufgänge auf Konsolen in den oberen Teilen einer Fassade befinden. Von einer Zwerggalerie spricht man, wenn ein Laufgang unter der Traufe verläuft und sich in Arkaden oder zwischen Pfeilern öffnet.
Geschoss: Bei einem Geschoss handelt es sich um den begrenzten Abschnitt eines mehrgeschossigen Gebäudes in der Höhe, wobei die Geschosshöhe durch das Maß zwischen den Fußbodenoberkanten zweier Geschosse gebildet wird. Auch der Hauptturm des Ulmer Münsters besitzt mehrere Geschosse, wie z. B. das Glockengeschoss, auf dem sich der Glockenstuhl befindet.
Gesims: Als Gesims bezeichnet man ein meist horizontal verlaufendes, vorspringendes Bauelement, das eine Wandfläche untergliedert oder abschließt. Je nach Anbringungsort am Gebäude spricht man z. B. von Sockel-, Fenster- oder Brüstungsgesims. Das Gesims, das die Fassade eines Gebäudes nach oben hin abschließt nennt man Kranzgesims.
Gewölbe: Gewölbe sind quasi die gekrümmten Decken eines Raumes und üblicherweise aus Natur- oder Ziegelsteinen gemauert. Gewölbe können von einfach bis kompliziert ausgebildet sein. Im Ulmer Münster sind insbesondere die …
Glockenstuhl: Glockenstühle als Vorrichtung zum Aufhängen von einer oder mehrerer Glocken wurden ursprünglich von einem Zimmermann und meistens aus Eichenholz angefertigt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich wurden Glockenstühle aus statischen und brandschutztechnischen Gründen aus eisernen Profilträgern hergestellt. Auch im Glockengeschoss des Ulmer Münsters steht seit 1898 ein eiserner Glockenstuhl, der u. a. hinsichtlich seiner aufwendigen Konstruktion besondere Aufmerksamkeit verdient.
Hallenkirche: Bei einer Hallenkirche sind alle Kirchenschiffe bzw. deren Gewölbe (annähernd) gleich hoch und unter einem gemeinsamen Satteldach vereint. Die Hallenkirche zählt neben der Basilika zu einer der Grundtypen im Bereich der christlichen Baukunst.
Helm: Der Helm, auch Turmhelm genannt, ist bei vieleckigen Türmen die spitze Dachform, die meistens bei Kirchtürmen vorkommt. Die architektonische Gestaltung des Turmhelms kann höchst unterschiedlich ausfallen. Auch der Hauptturm des Ulmer Münsters besitzt einen Helm.
Ikonographie: Als Ikonographie (aus dem Griechischen ikon = Bild und graphein = schreiben) bezeichnet man eine kunstgeschichtliche Methode zur Deutung von Motiven in der Bildenden Kunst. Eine wichtige Schriftquelle für die Entschlüsselung von Bildinhalten in der christlichen Kunst ist neben der Bibel beispielsweise auch die von Jacobus de Voragine verfasste Goldene Legende (lat. Legenda aurea). Hierdurch lassen sich beispielsweise die die meisten Attribute von Heiligen bzw. szenische Darstellung aus deren Leben herleiten.
Inventarisation: Als Inventarisation oder Inventarisierung bezeichnet man das Erstellen eines Inventars oder einer Inventarliste. So werden beispielsweise von den Denkmalbehörden basierend auf dem Denkmalschutzgesetz alle Kulturdenkmale im Denkmalbuch oder in Denkmallisten erfasst. Auch im für das Ulmer Münster …
Joch: Beim Gewölbe bezeichnet man das Gewölbefeld, das innerhalb einer Folge gleichartiger Gewölbeabschnitte in Richtung der Längsachse eines Kirchenschiffes liegt, als Joch. Er wird meistens auch in der Gliederung von Wänden berücksichtigt.
Kapelle: Bei einer Kapelle handelt es um einen kleineren Kirchenbau ohne Pfarrechte, die für besondere Zwecke genutzt wird (z. B. Tauf-, Grab-, Friedhofskapelle). Aber auch An- und Einbauten zwischen Strebepfeilern an größeren Kirchenbauten werden als Kapellen bezeichnet.
Kirchenschiff: Von einem Kirchenschiff oder Langhaus spricht man bei dem Baukörper eines Kirchengebäudes, das zwischen Westbau und Chor liegt. Das Langhaus kann aus einem oder mehreren Kirchenschiffen bestehen. Bei Kirchen mit mehreren Kirchenschiffen, wie Basiliken oder Hallenkirchen, beinhaltet er sowohl das Mittel- als auch die Seitenschiffe.
Kloster: Bei einem Kloster (abgeleitet vom lateinischen Wort claustrum = …) handelt es sich um eine bauliche Anlage, in der Gläubige in einer von der Außenwelt abgeschlossenen religiösen Gemeinschaft zusammenleben. Üblicherweise bestehen Klosteranlagen aus mehreren Gebäuden (z. B. Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, etc.), wobei die Klausur der Teil einer Klosteranlage ist, der einzig den Klosterangehörigen vorbehalten ist.
Konservierung: Als Konservierung (abgeleitet vom lateinischen Wort conservare = erhalten, bewahren) bezeichnet man im kunst- und kulturhistorischer Bereich alle Maßnahmen, die zum unverfälschten Erhalt von Kunst- und Kulturgut beitragen. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Fall die sog. präventive (vorbeugende) Konservierung, durch die Restaurierungen zumindest verringert werden können.
Konsole: Konsolen sind aus der Mauerfläche vorspringende, profilierte Tragsteine für Gewölbe, Gesimse oder Figuren. Sie können reich ornamental oder figürlich gestaltet sein, wie beispielsweise die mittelalterlichen Konsolen an den Pfeilern im Langhaus des Ulmer Münsters, auf denen Figuren aus dem 19. Jahrhundert aufgestellt sind.
Krabbe: Bei einer Krabbe handelt es sich um eine plastische Verzierung an den Kanten in Form gekrümmter Blätter. Man bezeichnet sie deswegen auch als Kriechblume.
Kreuzblume: Bei einer Kreuzblume, die auch als Firstblume bezeichnet wird, handelt es sich stilisiertes Blattgebilde von kreuzförmigem Grund- und Aufriss. Es wird als Bekrönung von Fialen, Wimpergen, etc. verwendet.
Kulturdenkmal: Als Kulturdenkmal bezeichnet man alle Hinterlassenschaften, die als Belege der kulturelle Geschichte und Entwicklung der Menschheit gelten. Man unterscheidet hierbei zwischen Bau-, Kunst- und Bodendenkmalen. An der Erhaltung von Kulturdenkmalen, die aufgrund ihres Denkmalwerts nach dem Denkmalschutzgesetz unter Denkmalschutz stehen, besteht ein allgemeines öffentliches Interesse.
Langhaus: Andere Bezeichnung für Kirchenschiff.
Maßwerk: Als Maßwerk bezeichnet man die geometrischen, oftmals durchbrochenen Ornamente an gotischen Kirchen. Verzierungen mit Maßwerk kommen dabei an ganz verschiedenen Bauteilen vor, so beispielsweise an Fenster, Pfeilern, Brüstungen, Fialen, etc.
Mörtel: Bei Mörtel (abgeleitet vom lateinischen Wort mortarium = Mörtelgefäß, Speis) handelt es sich um einen Baustoff, der zur Verbindung von Mauersteinen verwendet wird. Am Ulmer Münster kommt für horizontale Lagerfugen Versetzmörtel, für vertikale Fugen Vergussmörtel zum Einsatz.
Münster: Die Bezeichnung Münster (abgeleitet vom lateinischen Wort monasterium = Kloster) war ursprünglich nur Klosterkirchen vorbehalten. Ab dem 13. Jahrhundert wurden auch alle anderen Großkirchen, darunter z. B. große städtische Pfarrkirchen, als Münster bezeichnet.
Naturstein: Unter Naturstein versteht man im Gegensatz zu künstlich hergestellten Kunststeinen (z. B. Ziegelsteine) allgemein alle natürlich vorkommendenGesteine. In gesägtem oder behauenem Zustand spricht man von Naturwerkstein. Bei den Natursteinen, die am Ulmer Münster verbaut worden sind, handelt es sich um Kalk- (z. B. Muschel-Kalkstein, Savonnières-Kalkstein) und Sandstein (z. B. Donzdorfer Sandstein, Main-Sandstein, Schlaitdorfer Sandstein).
Obergaden: Der Obergaden, auch Lichtgaden oder kurz Gaden genannt wird, ist die Fensterzone im oberen Teil des gegenüber den Seitenschiffen überhöhten Mittelschiffes einer Basilika, der zur Belichtung des Kircheninnenraums dient.
Oktogon: Bei einem Oktogon, das auch als Achteck bezeichnet wird, handelt es sich um einen Baukörper von achteckigem Grundriss. Die Zahl Acht symbolisiert in der christlichen Kunst und Kultur den Neubeginn, zumal Christus am achten Tag auferstanden ist und damit sinnbildlich für den Anfang der neuen Schöpfung sowie für Vollkommenheit und göttliche Perfektion steht.
Parlier: Als Parlier oder Polier (abgeleitet vom französischen Wort parler = sprechen) bezeichnet man den Vermittler der am Bau beschäftigten Steinmetzen, Maurer, Zimmerleute etc. Der Parlier besaß üblicherweise eine bildhauerische Ausbildung und war der Vertreter des Leiters einer Bauhütte. Der Name der berühmten mittelalterlichen Baumeisterfamilie Parler, die auch am Bau des Ulmer Münsters beteiligt waren, lässt sich von der Berufsbezeichnung Parlier ableiten.
Pfarrkirche: Als Pfarrkirche bezeichnet man die Mutter- oder Hauptkirche einer Pfarrgemeinde. Es handelt sich um eine Kirche, die für die Seelsorge des zugeordneten Sprengels zuständig ist und das Recht besitzt, die Sakramente zu spenden.
Pfeiler: Ein Pfeiler ist eine zwischen Öffnungen gemauerte Stütze, die im Querschnitt rechteckig, quadratisch, vieleckig oder rund sein kann. Man unterscheidet hierbei z. B. zwischen Frei-, Wand- und Eckpfeilern im Innern bzw. Strebepfeilern vom Strebewerk am Außenbau.
Portal: Bei einem Portal handelt es sich um eine monumentales Tor, das meistens von architektonischen Elementen gerahmt wird. Das Ulmer Münster besitzt neben dem Hauptportal auf der Westseite noch vier Seitenportale auf der Nord- (Kleines Marien-Portal im Westen, Passions-Portal im Osten) und Südseite (Großes Marien-Portal im Westen, Gerichts-Portal im Osten).
Predella: Der als Sockel dienende Bereich eines Altares, über dem sich das Retabel befindet, wird als Predella bezeichnet.
Relief: Auf einem Relief ist die Darstellung gegenüber dem Hintergrund plastisch ausgearbeitet. Man unterscheidet hierbei je nach Ausarbeitung zwischen Flach-, Halb- oder Hochrelief.
Restaurierung: Als Restaurierung (nicht zu verwechseln mit Restauration!) bezeichnet man alle Maßnahmen, die dem Erhalt von Kunst- und Kulturgut dienen. Die Restaurierung lässt sich in mehrere Fachgebiete unterteilen. So gibt es beispielsweise Restauratoren für Gemälde und gefasste Objekte, für Wandmalereien sowie für die Bereiche Stein und Metall, etc. Fachgerecht durchgeführte Restaurierungen an Kunst- und Kulturgütern beinhalten auch immer eine Konservierung.
Retabel: Bei einem Retabel handelt es sich um einen meist dreiflügeligen Aufsatzes eines Altares in Form eines Schreines mit geschnitzten Figuren und/oder einer bemalten Tafel.
Riss: Ein Riss ist die maßstäblich gezeichnete Auf- oder Grundriss beispielsweise eines Gebäudes.
Sakramentshaus: Bei einem Sakramentshaus, das meistens auf der Nordseite neben dem Altar aufgestellt ist, handelt es sich um ein Gehäuse aus Stein, in dem das aufbewahrt wird. Seine Entstehung ist der deutschen Gotik zuzuschreiben, weit verbreitet war es ab um 1400. Auch im Ulmer Münster gibt es ein Sakramentshaus, das zu einem seiner wichtigsten Ausstattungsstücke zählt. Entstanden ist es zwischen 1467 und 1471 unter der Beteiligung von Michael Erhart.
Spindel: Als Spindel bezeichnet den in der Mitte befindlichen, zylinderförmigen Teil einer Wendeltreppe.
Steinmetzzeichen: Bereits in der Antike sind Steinmetzzeichen vergleichbare Zeichen bekannt, jedoch insbesondere im Mittelalter dienen die von den Steinmetzen gebrauchten Zeichen zur Kennzeichnung der von ihnen bearbeiteten Objekte. Meist handelt es sich um geometrische, monogrammartige Zeichen, die auch im Zusammenhang mit der Entlohnung für geleistete Arbeiten wichtig waren. Auch am Ulmer Münster gibt es zahlreiche Steinmetzzeichen, die verschiedenen Steinmetzen zugeordnet werden können und interessante Einblicke in den zeitlichen Fortgang des Münsterbaus geben.
Strebebogen: Strebebögen bilden zusammen mit den Strebepfeilern das Strebewerk. Der Strebebogen bildet dabei die bogenförmigen Querverbindungen zwischen der Mittelschiffs- oder Chorwand und den Strebepfeilern. Der Strebebogen dient der statischen Ableitung von Gewölbeschub und Winddruck, wobei die statischen Kräfte über die Strebepfeiler nach unten abgeleitet werden. Ab um 1230 dienen Strebebögen auch der Dachentwässerung, indem mittels einer Vertiefung an deren Oberseiten das Wasser zu den an der Vorderseite der Strebepfeiler angesetzten Wasserspeiern geleitet wird.
Strebepfeiler: Als Strebepfeiler bezeichnet man allgemein Pfeiler, die eine stützende Funktion an Bauwerken übernehmen. Bei den gotischen Großkirchen bilden sie gemeinsam mit den Strebebögen das Strebewerk.
Strebewerk: Als Strebe bezeichnet man ein schräges Bauglied zur Ableitung von Schubkräften. Das Strebewerk, das aus den Strebepfeilern und –bögen gebildet wird, dient im gotischen Skelettbau der Ableitung von Gewölbeschub und Winddruck. Es gilt als eines der stilistischen Hauptmerkmale gotischer Kirchenbauten.
Triumphbogen: Der massive Bogen, der den Chor vom mittleren Kirchenschiff trennt, wird üblicherweise Chorbogen genannt. In Anlehnung an die antike Kaiserverehrung und übertragen in christliches Gedankengut wird er auch als Triumphbogen bezeichnet. Am Triumphbogen des Ulmer Münsters findet sich eine gemalte Weltgerichtsdarstellung von monumentaler Größe, die 1471 entstanden ist.
Tympanon: Als Tympanon bezeichnet man bei gotischen Kirchengebäuden das Bogenfeld, das über einem Portal angebracht und mit figürlichen Reliefs gestaltet ist. Beliebte Themen sind das Marienleben, das Leben Christi oder das Jüngste Gericht. Auch auf den Tympana über den Portalen des Ulmer Münsters sind diese Bildthemen vertreten, so beispielsweise am kleinen und am großen Marien-Portal, am Passions-Portal und am Gerichts-Portal.
Wasserspeier: Bei Wasserspeiern handelt es sich um Bauelemente, die an Dachtraufen zur Ableitung von Regenwasser angebracht sind. Das gesammelte Wasser wird in einem bogenförmigen Strahl abgeleitet, so dass keine Feuchtigkeit in Mauerwerke und Fundamente eindringen kann. Gerade an gotischen Kirchen sind Wasserspeier figürlich gestaltet, entweder als Tiere oder Fabelwesen.
Westwerk: Meist mit einem oder zwei Türmen ausgebildeter, im Westen der Kirche gelegener Bau an mittelalterlichen Kirchen. Oft mit Vorhalle im Erdgeschoss als Durchgang zum eigentlichen Kirchenschiff sowie mit darüber liegender Kapelle oder Empore gestaltet.
Wimperg: Bei einem Wimperg handelt es sich um einen gotischen Ziergiebel, der über beispielsweise Portalen und Fenstern angebracht ist und der aus Maßwerk gebildet wird.
Ziegelsteine: Bei Ziegelsteinen, die auch als Backsteine bezeichnet werden, handelt es sich im Gegensatz zu Natursteinen um künstlich hergestellte Steine, die bereits in der Antike zum Bauen verwendet werden. Sie werden aus Lehm oder Ton geformt und anschließend gebrannt. Das Ulmer Münster besteht zu großen Teilen aus mittelalterlichen Ziegelsteinen, die in der näheren Umgebung von Ulm hergestellt wurden.